Durch meine Nebentätigkeit als therapeutischer Seelsorger und individual-psychologisch, systemischer Berater erkannte ich schnell, welches Potenzial in Menschen steckt und darauf wartet, in zu ihnen passenden Organisationen freigesetzt zu werden. Zeitgleich wurde mir klar, dass unsere Kunden durch überstarken Fokus auf Technologie, Organisation und Prozesse die Wichtigkeit eines würdevollen Umgangs mit ihren Mitarbeitern vernachlässigten. Bei Führungskräften galt es als schick, morgens als Erster da zu sein und abends als letzter das Büro zu verlassen und riesige Berge ungenommenen Urlaub vor sich herzuschieben.
Auch die Auswirkungen des NIH-Syndroms (Not Invented Here) erzeugte in der internationalen Zusammenarbeit mehr Blind- als Wirkleistung. Als ich im Rahmen eines Kommunikationstrainings mit Entsetzen wahrnahm, in welcher persönlichen Not viele Menschen waren (Beziehungsebene) und wie, in offensichtlicher Hilflosigkeit, das Management mit Lösungen auf der Zahlen-, Daten-, Fakten-Ebene reagierte, konnte ich meine Vision endlich in wenigen gewagten, aber mich unheimlich motivierenden Worten fassen: „Deutschland zum Weltmeister im Umgang mit Menschen zu machen“.
Warum sollte das nach dem Siegzug des Autos und des Maschinenbaus nicht wieder möglich sein? Dazu musste unser Geschäftsmodell verändert werden. So entstand am Ende unser neuer Name HEAD AND HEART mit einem zweiten Geschäftssegment Leadership Development. Damit war für uns als Familienunternehmen klar, dass nicht KPI-orientierte Wachstumsziele und der Aufbau einer großen Organisation Priorität haben.
Die Verantwortung, Menschen und Organisationen so zu begleiten, dass sie über das Hinauswachsen, was man für möglich hielt, wollen wir durch herausragende persönliche Integrität, ethische Standfestigkeit, soziale Kompetenz und wahre Empathie zeigen. Gerade in der zunehmenden Globalisierung braucht es einen länder- und kulturübergreifenden Respekt vor der Andersartigkeit von Menschen, die aber jederzeit Anspruch auf einen würdevollen Umgang haben.
Ich bin persönlich sehr froh und dankbar, dass der Übergang unserer Gruppe in die nächste Familiengeneration in Deutschland und in Indien erfolgreich bewältigt wurde. Unsere Vision braucht einen langen Atem, Kontinuität und vor allem eins: Menschen, die als Hoffnungsträger mit viel Herzblut unterwegs sind. Wir können nicht die Welt retten, aber dort, wo das Leben uns hineinstellt, mit Mut und Haltung Beiträge leisten.
